Kapitel 2

5. Warum gibt es zwölf Sternzeichen?

Wer zum ersten Mal ein Geburtshoroskop betrachtet, entdeckt am äußeren Rand zwölf verschiedene Zeichen. Manche sehen aus wie Tiere, andere erinnern an Waagen, Krüge oder zwei Menschen.

  

Diese zwölf Zeichen nennt man Sternzeichen.

  

Doch warum gibt es ausgerechnet zwölf? Die Antwort ist erstaunlich einfach.

  

Im Laufe eines Jahres scheint die Sonne von der Erde aus gesehen langsam einen vollständigen Kreis über den Himmel zu ziehen. Schon vor vielen tausend Jahren beobachteten Menschen diesen immer wiederkehrenden Weg der Sonne. Um sich besser orientieren zu können, teilten sie diesen Kreis in zwölf gleich große Abschnitte ein.

  

Jeder dieser zwölf Abschnitte erhielt einen eigenen Namen und ein eigenes Symbol.

  

So entstanden die Sternzeichen Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische.

 

Man kann sich diese zwölf Sternzeichen wie zwölf verschiedene Landschaften vorstellen.

 

Jede Landschaft besitzt ihren eigenen Charakter.

Eine Landschaft ist offen und voller Aufbruchsstimmung.

Eine andere wirkt ruhig, beständig und sicher.

Eine dritte lädt zum Austausch ein.

Eine vierte steht für Gefühl und Geborgenheit.

Keine Landschaft ist besser oder schlechter als eine andere.

Sie unterscheiden sich einfach.

  

Genau so verhält es sich mit den Sternzeichen. Jedes Sternzeichen beschreibt eine besondere Art, das Leben zu erleben und bestimmte Erfahrungen zu machen.

 

Darum besitzt jedes Sternzeichen seine ganz eigenen Stärken. Und jedes bringt zugleich Aufgaben mit sich, an denen ein Mensch wachsen kann.

 

Vielleicht fragst du dich jetzt:

 

"Warum genau zwölf?"

  

Man hätte den Kreis theoretisch auch anders einteilen können.

  

Die Zahl Zwölf begegnet uns jedoch an vielen Stellen unseres Lebens. Es gibt zwölf Monate im Jahr. Der Tag wird traditionell in zweimal zwölf Stunden eingeteilt.

  

Viele alte Kulturen arbeiteten mit der Zwölf als Zahl der Vollständigkeit.

  

Auch in der Astrologie steht die Zwölf für einen vollständigen Kreislauf des Lebens.

  

So wie das Jahr aus zwölf Monaten besteht, beschreibt auch der Tierkreis zwölf verschiedene Grundqualitäten menschlichen Lebens.

  

Zusammen bilden sie ein Ganzes.

  

Deshalb fehlen im Horoskop weder ein dreizehntes noch ein elftes Sternzeichen.

  

Erst alle zwölf zusammen ergeben den vollständigen Kreis.

  

Und genau diesen Kreis siehst du am äußeren Rand deines Geburtshoroskops.

6. Was bedeuten die Sternzeichen im Horoskop?

Viele Menschen glauben, die Sternzeichen würden Menschen in bestimmte Schubladen stecken.

  

"Du bist Löwe."

"Du bist Jungfrau."

"Du bist Skorpion."

  

Doch so einfach ist es nicht. Die Sternzeichen beschreiben keine fertigen Persönlichkeiten.

  

Sie sind vielmehr verschiedene Arten, wie sich bestimmte Lebenskräfte ausdrücken können.

   

Ein schöner Vergleich ist das Licht. Stell dir eine Taschenlampe vor. Das Licht ist immer dasselbe.

 

Doch je nachdem, durch welches farbige Glas es scheint, verändert sich seine Wirkung.

 

Einmal erscheint es warm.

Ein anderes Mal kühl.

Mal wirkt es kräftig.

Mal sanft.

 

Die Sternzeichen sind wie diese verschiedenen Farben. Sie verändern nicht die Kraft selbst, sondern die Art, wie sie sich zeigt.

 

Im Horoskop stehen Sonne, Mond und die Planeten in bestimmten Sternzeichen. Dadurch erhält jede dieser inneren Kräfte ihren eigenen Ausdruck.

 

Ein Beispiel:

 

Zwei Menschen können beide sehr hilfsbereit sein.

Der eine zeigt seine Hilfe ganz praktisch und organisiert.

Der andere schenkt Trost, hört zu und spendet Nähe.

Beide helfen.

Aber jeder auf seine eigene Weise.

 

Genau solche Unterschiede beschreiben die Sternzeichen. Sie beantworten nicht die Frage:

  

"Was passiert?"

  

Sondern vielmehr:

  

"Wie zeigt sich etwas?"

  

Deshalb begegnen uns die Sternzeichen im gesamten Horoskop immer wieder.

  

Nicht nur die Sonne steht in einem Sternzeichen.

Auch der Mond.

Auch Merkur.

Auch Venus.

Auch Mars.

Und alle anderen Planeten.

  

Jeder von ihnen bringt ein anderes Lebensthema mit. Die Sternzeichen geben diesen Themen ihre individuelle Farbe.

  

Man kann sie deshalb auch mit verschiedenen Sprachen vergleichen. Alle Menschen können Gefühle ausdrücken. Doch jeder tut es auf eine andere Weise. Die Sternzeichen beschreiben genau diese unterschiedlichen Ausdrucksformen.

  

Darum lohnt es sich, den äußeren Ring des Horoskops genauer anzuschauen. Er bildet den Rahmen, in dem sich alle anderen Horoskopbestandteile bewegen.

  

Er ist gewissermaßen die Farbpalette, mit der dein persönliches Lebensbild gemalt wurde. 

7. Warum beginnt der Tierkreis beim Widder?

Vielleicht ist dir aufgefallen, dass der Tierkreis immer mit dem Widder beginnt. Warum eigentlich? Warum nicht mit dem Löwen? Oder mit den Fischen?

 

Der Grund liegt im Jahreslauf. Der Widder steht am Anfang des astrologischen Kreises, weil er den Neubeginn symbolisiert.

  

Im Frühling erwacht die Natur.

Die Tage werden länger.

Die ersten Pflanzen wachsen.

Überall beginnt neues Leben.

Nach dem ruhigen Winter entsteht wieder Bewegung.

  

Genau diese Aufbruchsstimmung verbindet die Astrologie mit dem Widder. Darum beginnt der Tierkreis an diesem Punkt.

 

Nicht weil der Widder wichtiger wäre als alle anderen Sternzeichen. Sondern weil jeder Kreis einen Anfang braucht.

 

Man kann sich den Tierkreis wie das Jahr vorstellen.

Im Frühling beginnt etwas Neues.

Im Sommer wächst und entfaltet es sich.

Im Herbst werden Erfahrungen gesammelt und geerntet.

Im Winter kehrt Ruhe ein, damit Neues entstehen kann.

Danach beginnt der Kreislauf wieder von vorn.

  

Jedes Sternzeichen übernimmt dabei eine eigene Aufgabe.

  

Der Widder macht den ersten Schritt.

Der Stier sorgt für Stabilität.

Die Zwillinge bringen Bewegung und Austausch.

Der Krebs schafft Geborgenheit.

So setzt sich der Weg bis zu den Fischen fort, die den Kreis abschließen und den Übergang zu einem neuen Anfang vorbereiten.

  

Man könnte sagen:

Der Tierkreis erzählt die Geschichte eines ganzen Lebens. Von den ersten Schritten bis zur gesammelten Lebenserfahrung. Von Aufbruch über Entwicklung bis zur Vollendung.

  

Und genau deshalb beginnt diese Reise beim Widder. Nicht, weil dieses Sternzeichen wichtiger wäre. Sondern weil jeder Weg irgendwo seinen Anfang nimmt.

8. Warum bin ich mehr als nur mein Sternzeichen?

Diese Frage gehört wahrscheinlich zu den wichtigsten überhaupt.

 

Denn viele Menschen sagen: "Ich bin Waage." Oder: "Ich bin Schütze."

 

Tatsächlich stimmt das nur zum Teil.

 

Das Sternzeichen beschreibt die Stellung der Sonne zum Zeitpunkt deiner Geburt. Die Sonne ist ein wichtiger Bestandteil des Horoskops. Aber eben nur einer von vielen.

  

Stell dir vor, jemand würde ein großes Orchester nur nach dem Klang der Geige beurteilen. Die Geige ist wichtig. Aber sie spielt nicht allein. Erst gemeinsam mit allen anderen Instrumenten entsteht die Musik.

 

Genauso ist es beim Geburtshoroskop.

 

Neben der Sonne gibt es den Mond. Es gibt Merkur, Venus, Mars, Jupiter und weitere Planeten. Jeder von ihnen steht für einen anderen Bereich des Lebens.

  

Dazu kommen die zwölf Häuser, die zeigen, in welchen Lebensbereichen sich diese Kräfte besonders entfalten.

  

Außerdem gibt es die Verbindungen zwischen den Planeten, die zeigen, wie die einzelnen Themen miteinander zusammenarbeiten.

  

All das bildet zusammen dein Geburtshoroskop.

  

Deshalb können zwei Menschen dasselbe Sternzeichen besitzen und dennoch völlig verschieden sein.

  

Vielleicht kennst du das sogar aus deinem eigenen Leben. Du triffst jemanden mit demselben Sternzeichen und stellst überrascht fest: "Wir sind überhaupt nicht ähnlich."

 

Das ist völlig normal.

  

Denn ihr teilt zwar dieselbe Sonnenstellung. Doch alle anderen Bestandteile eures Horoskops können ganz unterschiedlich sein.

 

Ein schönes Bild dafür ist ein Rezept. Viele Kuchen enthalten Mehl. Trotzdem schmecken sie völlig unterschiedlich. Erst die Mischung aller Zutaten entscheidet über das Ergebnis.

 

Genau so ist dein Sternzeichen eine wichtige Zutat. Aber nicht das ganze Rezept.

Dein Geburtshoroskop zeigt die vollständige Mischung.

  

Es macht sichtbar, wie deine verschiedenen inneren Kräfte zusammenwirken.

Und genau darin liegt seine besondere Stärke.

  

Es betrachtet den Menschen nicht durch die Brille eines einzigen Sternzeichens. Sondern als einzigartiges Zusammenspiel vieler verschiedener Anlagen, Bedürfnisse, Talente und Entwicklungsmöglichkeiten.

 

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis überhaupt:

 

Du bist nicht "nur" Widder.

Nicht "nur" Krebs.

Nicht "nur" Steinbock.

Du bist sehr viel mehr.

  

Und genau deshalb ist dein persönliches Geburtshoroskop so viel spannender als jedes allgemeine Sternzeichen-Horoskop in einer Zeitung oder Zeitschrift.